Fr
20. Nov
2020
– 30. DEZ 2020

Film, Gruppe, Werkstatt
Coronabedingt verschoben
Auf Grund der Corona-bedingten Schließungen müssen wir die geplante Eröffnung der Ausstellung verschieben. Wir hoffen, die Ausstellung im Dezember öffnen zu können. Über Änderungen informieren wir Sie auf unserer Webseite sowie über unseren Newsletter, Facebook und Instagram.

 
Die Ausstellung Film, Gruppe, Werkstatt beschreibt die Düsseldorfer Filmszene der 70er Jahre, die Lutz Mommartz umgibt und für die er bereits in den 60er Jahren wichtige Impulse setzte. Dazu gehören Freundeskreise und Produktionsgemeinschaften, Filmgruppen, Kinos und Verbindungen zur Kunstakademie Düsseldorf, die zusammengenommen die lokale Filmszene ausmachten und für die Gründung der Filmwerkstatt 1976 ausschlaggebend waren. Am Beispiel des Films „Der gerechte Krieg 1525“ (1975), einer Gemeinschaftsproduktion der Filmgruppe Düsseldorf unter der Regie von Lutz Mommartz und Hartmut Kaminski, unternimmt die Ausstellung den Versuch, die künstlerische Atmosphäre jener Zeit mit ihren politischen Diskursen einzufangen und in der Produktion sichtbar zu machen. Hier mischt sich das politische Kollektiv mit der Produktionsgemeinschaft, der theoretische Diskurs mit der praktischen Arbeit am Film, an dem eine Gruppe von rund 50 Helfer*innen aus der Düsseldorfer Film- und Kunstszene beteiligt war.
 
Mit besonderem Dank an die Kunststiftung NRW
In Kooperation mit der Kunsthalle Düsseldorf: Mommartzfilm 1964-2020
 
Fotos © Johannes Bendzulla

 

Filmprogramm

Begleitend zur Ausstellung Film, Gruppe, Werkstatt – Lutz Mommartz und die Filmwerkstatt Düsseldorf zeigen wir eine Auswahl von sechs Filmen, die zwischen 1972 und 1986 entstanden sind, und einen Ausschnitt aus der Produktion, um das Gründungsjahr der Filmwerkstatt 1976 vorzustellen.

Alle Filme laufen täglich hintereinander im Loop für die Dauer der Ausstellung.
Die Spielzeit der sechs Filme insgesamt beträgt 85 Minuten.

 

Kirschblüten
D 1972 | 6 Min. | 16 mm | R: Rolf Neddermann

Rolf Neddermann ist in allen Bereichen des Filmschaffens jener Zeit zu finden, er war Teil der Filmgruppe, der Filmklasse an der Kunstakademie Düsseldorf und Gründungsmitglied der Filmwerkstatt. Außerdem spielt er eine wesentliche Rolle bei der Produktion des Films Der gerechte Krieg 1525, insbesondere auch als Moderator zwischen den zerstrittenen Gruppen innerhalb des Teams.
„Kirschblüten“ zeigt nichts anderes als Kirschblüten, und doch wird uns mit beißender Ironie die Welt des Schönen vorgeführt: Eine gebrochene Frauenstimme rezitiert Wedekind und Vorstellung wie Zeitverständnis von solcherlei Schönheit brechen sich vielschichtig.“ (Peter Moritz Pickhaus)
Bundesfilmpreis für Kurzfilme 1973

 

Jahresporträt von Elke
D 1972 | 5 Min. | 16 mm | R: Hartmut Kaminski mit Elke Jonigkeit

Wie im Titel beschrieben, zeigt der Film ein Porträt, das sich aus 3000 Aufnahmen zusammensetzt, die verteilt auf ein Jahr aufgenommen wurden. Die Porträtierte ist Hartmut Kaminskis Frau, Elke Jonigkeit, selbst Filmemacherin und die Ko-Regisseurin vieler gemeinsamer Produktionen.
In einem Gesicht ist viel zu erkennen und so ist ein Porträt über eine jungen Frau, Künstlerin und Mutter Anfang der 70er Jahre entstanden, das ein emotional differenziertes Bild zeichnet und viel erzählt über das Leben und Zusammenleben in diesem einen Jahr.

 

Cabanas oder sie haben es auf die Wände gemalt
D 1976 | 32 Min. | 16 mm | R: Georg Bender & Ina Brandt

In Cabanas, einem kleinen Fischerdorf im Süden Portugals, wird gebaut. Das Bauvorhaben geht zurück auf Forderungen, die die Bevölkerung nach der Nelkenrevolution 1974 stellte, die das Ende der Diktatur Salazars brachte. Der Film ist einer von mehreren politischen Filmen, die in den 70er Jahren im Umfeld der Filmwerkstatt entstanden sind und sich mit dem Thema Wohnraum und Wohneigentum befasst haben. Er ist auch ein Beispiel für die Verbindung von politischer und künstlerischer Arbeit, wie sie in den Wandbildern angelegt ist und im Film weiterverfolgt wird.

 

Im Rhenus Haus
D 1981 | 8 Min. | Super 8 | R: Anarchistische GummiZelle – Stefan Ettlinger, Heinz Hausmann, Otto Müller, Ulli Sappok, Bertram Jesdinsky, Thorsten Ebeling

Die AGZ begann Ende der 70’er Jahre mit Experimentalfilmen. Aus begleitenden Aktionen zu den Vorführungen eigener Super-8-Filme entstanden dann eigenständige Performances.
Der Film spielt in einem alten Kornspeicher, dem Rhenus Haus, das dem heutigen Düsseldorfer Landtag weichen musste.
„…wir nahmen ein paar Requisiten mit und unseren Gast Michael Born, der mit uns zur Schule gegangen war. Wir hatten kein Drehbuch. Alles entstand intuitiv und sollte die Stimmung des zum Abriss bestimmten alten Gebäudes umsetzen, in den kurzen Szenen, die alle an verschiedenen Orten spielten und die wir nur einmal drehten. Bei 9 Minuten Gesamtmaterial mit über 7 Minuten Filmlänge wahrscheinlich eine historisch effektive Ausbeute :)“ Ulli Sappok – AGZ

 

Täglich bin ich aufgewacht
D 1983 | 12 Min. | 16 mm | R: Christine Galitzine (Markgraf)

In Täglich bin ich aufgewacht folgt die Kamera dem Licht. Auf 16 mm und in schwarzweiss gedreht, zeigt der Film uns Städte und Straßen sowie die Schatten von Menschen und Autos, die über sie hinweggleiten, ephemere, biegsame Gestalten, genauso elegant wie die Metropolen in denen sie aufgenommen wurden. Ein vergängliches und darin auch ein wenig melancholisches Lichtspiel über die Menschen in der großen Stadt, die in ihren Schatten erstaunlich präsent in Erscheinung treten.

 

Le Dauphin
D 1986 | 22 Min. | 16 mm | R: Stephan Sachs

„Vor allem “Le Dauphin” ist ein schon virtuos zu nennendes, herausragendes Beispiel des aufstrebenden Nachwuchses. Mit obsessioneller Kraft entwickelt Sachs aus einem kleinen Reservoir an exotischen Bildern eine komplexe Vielfalt von Bilderlebnissen. Ständig vorangetrieben, auf der Suche nach einem imaginären Ziel, tastet sich hier ein Sehen vorwärts, das sich zu einer aufregenden kinästhetischen Erfahrung verdichtet und gleichzeitig die alte Sehnsucht nach dem Anderen, der exotischen Welt, wachruft…“
FAZ 05.1986 über die Kurzfilmtage Oberhausen